Einleben 2.0

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Übergangsleben! So würde ich unseren Status gerade bezeichnen. Es ist nämlich alles irgendwie dazwischen, nicht richtig Urlaub, aber auch noch nicht Alltag. Jeden Tag Essen gehen macht zwar unheimlich Spaß, weil hier einfach alles lecker ist, geht aber doch etwas ins Geld und steht dem „Einleben” doch etwas entgegen. (Doch bleibt zu überlegen einen Ausredenkatalog parat zu halten, um dem häuslichen Ofen doch häufiger mal fern zu bleiben.)
Nach meiner sehr unterkühlten Erfahrung mit dem Supermarkt, musste ich mich erst einmal überwinden einen zweiten Versuch zu starten. Diesmal sind wir zu Trader Joe’s gegangen, denn den kenne ich bereits von meinen Besuchen bei meiner Schwester und an Erfrierungen a la Reinhold Messner konnte ich mich nicht erinnern. An dem Bild oben kann man erkennen: Das hat gut geklappt! Experiment „zu Hause essen” läuft nun also langsam an.
Außerdem mache ich mich gerade mit dem Inventar unseres möblierten Apartments bekannt. Besonders spannend sind hierbei die Elektrogeräte, wie Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler. Mein erster Waschdurchgang verlief ganz ok, denn die Wäsche kam weder zerfetzt noch in stylisch angesagten Neonfarben heraus. Das Waschmittel versprach allerdings Mountain fresh Duft. Nun kann man sich sicher über Gerüche streiten, aber ne alte Schranktür hab ich aufm Berg noch nie gesehen. Aber aufgeben ist was für Loser und ich hatte ja noch ein Ass im Ärmel: den Trockner! Für den habe ich nämlich Fabric Softener Sheets in luscious lavender gekauft. Gut gelaunt hab ich gleich zwei Tücher reingeschmissen, denn wir erinnern uns an die amerikanischen Mengeneinheiten: ich hab 240 davon! Lange Rede, kurzer Sinn, mit der Duftthematik muss ich mich wohl doch etwas länger auseinandersetzen und bis dahin einfach etwas mehr Parfum benutzen.
Und da ich diesen Eintrag nicht trübsinnig enden lassen will, hier nochmal die Bay Bridge in Aktion, wenn sie abends mit ihrem Licht spielt!

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Aufgepasst!

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Nach The incredible Burt, Die Hard 5, The Croods und einer Folge Anger Managemant haben wir nun unser Übergangsheim bezogen. Ein schönes Apartment mit offener Küche und einem coolen Ausblick auf die Bay Bridge, die abends anfängt verrückt zu leuchten! Hier bleiben wir vier Wochen, in denen wir versuchen eine eigene Wohnung zu finden.
Die letzten beiden Tage haben wir unsere nähere Umgebung erkundet und da es bald auch mit der Schule losgeht, habe ich bereits ein Ticket für den Caltrain, der mich in Zukunft zu meinem 50 Kilometer entfernten Arbeitsplatz bringen soll. Auch hier passen Autobahnund morgens nicht wirklich zusammen und entlocken jedem nur ein Stöhnen. Zwei Wochen habe ich noch, um den besten Weg heraus zu finden. In dieser Zeit werde ich noch durch die Straßen schlendern und mich mit einigen Sachen vertraut machen. Folgendes habe ich gestern schon dazu gelernt:

  1. Unterschätze nie den Jetlag, denn er könnte dich überall treffen!
  2. Zum Lebensmiteleinkauf immer warm anziehen; Schal und Mütze sind adäquate Bekleidung!
  3. Niemals an den deutschen Mengeneinheiten orientieren! Eigentlich sollte Starbucks uns schon trainiert haben…

Heute feiern wir unseren zweiten Hochzeitstag. Bin gespannt, wo es uns hin verschlägt!

Schee wars!

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So, das war es nun! Die Wohnung wurde heute in einem Gewaltakt leer geräumt und übrig bleiben ein paar Köfferchen, die uns morgen begleiten und natürlich jede Menge schöne Erinnerungen. Wir haben vier Jahre lang im malerischen Wedding gewohnt. Es waren wirklich schöne Jahre, auch wenn der Bezirk uns hin und wieder auf die Probe gestellt hat. Doch sobald wir in unserem Nest, hier oben im 5. Stock ankamen, war die Welt wieder in Ordnung.
Als wir heute ein letztes Mal durch Berlins Straßen gefahren sind, wurde mir doch etwas wehleidig ums Herz. Berlin ist einfach ne Wolke und San Francisco wird sich da schon ein bisschen anstrengen müssen! Da bin ich aber sehr zuversichtlich und ende heute mit einem Kribbeln im Bauch, in einer leeren Wohnung und mit einem viel zu frühen Flug in ein neues Abenteuer!

10 Packen – 9 Packen =

Foto
Dem Umziehen liegt immer ein so schöner Gedanke zugrunde, der Wir-entledigen-uns-von-allem-Unnützen-und-starten-ganz-frisch-Gedanke. Diesen Gedanken trage ich mit mir herum seit ich weiß, dass wir nach San Francisco gehen werden. Doch nun, mit Blick auf die schrumpfende Zeit, die bleibt, wird mir klar, dass diesem erfrischenden Gedanken eine ganze Menge Arbeit bevor steht.
Ich habe mich bis dato eigentlich immer zu den Anti-Messis und Papierallergikern gezählt. Dekostaubfänger haben ein schweres Leben bei mir und im digitalen Zeitalter, dessen Kind ich voll und ganz bin, verstehe ich den Sinn des A4 Papieres kaum noch und bemitleide jeden einzelnen Ast, der dafür sein Leben lassen musste. In meinem früheren Leben als Referendarin hatte ich eine Seminarleiterin, die JEDE Woche das gleiche Blatt mit exakt den identischen Informationen der Vorwoche austeilte, für den Fall, dass wir es verlegt hätten. Den Höhepunkt ihrer Liebe zum bedruckten Papier fand sich dann darin, dass sie uns einen Vorgang aus dem Internet, schrittweise ausgedruckt, vorgelegt hat. Auf einigen der 23 Seiten pro Referendar befand sich lediglich der “Weiter”-Button, der zur nächsten Seite führte. Stolz konnte sie uns so das “komplizierte” Ausfüllen eines Formulars im Internet erklären. Man mag viel Sinnloses in der Ausbildung eines Lehrers finden, aber das war eindeutig die Krönung.
Nach diesem Ausflug in eine längst vergangene Zeit, schaue ich mich hier um und frage mich ein weiteres Mal: Woher kommen denn all die Sachen? Jedes einzelne Teil gilt es in die Hand zu nehmen und über seinen weiteren Lebensweg zu entscheiden. Vielleicht kann ich mich auch zu gut von Sachen trennen. So könnte es passieren, dass ich zum ersten Schultag nur notdürftig bekleidet im Lehrerzimmer stehe, in der einen Hand mein Butterbrot im Couponheft eingeschlagen, in der anderen mein Wasser in einer Papiertüte und auf dem Kopf mein iPad balancierend. Vorausschauend kann ich gerade noch Autofahren, aber alles andere, was mit vorausschauend zu tun hat…