Mein neues Dreamteam

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Ich liebe Technik und Gimmicks, die mir sagen, wie ich ein erfolgreicher, attraktiverer und sowieso ganz anderer Mensch werde! Mein Jawbone zählt meine Schritte, meinen Kalorienverbrauch, meine Tiefschlafphasen und wie häufig ich nachts Pipi mache. Toll! Ich bin begeistert und meine Papierstrichlisten wandern in den Altpapiercontainer. Auch mein neues iPhone 5s, was auf meinen Fingerabdruck reagiert, möchte ich nicht mehr missen. Manchmal stelle ich mir vor, wie die Menschen damals auf all das verzichten mussten, weil Steve Jobs und Co. noch nicht geboren waren…Passwörter merken, an Termine selber denken, die Wäsche am See waschen, schon gut, dass ich jetzt lebe!
An der Schule haben wir nun auch unsere neuen Macbook Airs und iPads für die Schüler. Die Klassenräume sind mit Apple TVs ausgestattet und dem interaktiven Unterricht steht nun nichts mehr im Wege. Zumindest theoretisch, denn solange Kollegen begeistert feststellen, dass ja dann in jedem iPad/Macbook ein Beamer integriert sein muss, werden es wohl noch die guten alten Papierbücher tun müssen.
Heute waren wir bei einem Country Festival im Golden Gate Park. Wer sich jetzt konservative cowboyhuttragende Senioren vorstellt, hat sich leider getäuscht. Denn hier bedeutet Country nackte Haut, Dreadlocks, Frauen mit dichtem Haar an Bein und unterm Arm, Piercings, Brandings, Implatings, Tattoos und jede Menge Drogen! Wow, so viele Kunstwerke hab ich lange nicht mehr auf engstem Raum gesehen. Gerne hätte ich paparazziartig Fotos geschossen, aber man weiß ja nie, was geschieht, wenn der Mensch in die Natur eingreift!
Freue mich schon auf das nächste Klassik Festival, denn auch hier hält San Francisco bestimmt eine Überraschung für mich bereit!

Ich bin wieder hier. In meinem Revier. War nie wirklich weg…

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Unsere Wohnung ist nun eingerichtet und wir müssen nicht mehr auf der Couch schlafen, auf Kisten sitzen und von Papptellern essen. Die Wochenenden sind nicht mehr durch Besuche in Einrichtungshäusern verplant und können wieder für die wirklich wichtigen Dinge im Leben genutzt werden. Denn man muss schon neidlos eingestehen, dass wir einfach mal ne geile Wohnung in bester Lage haben und wir nur zehn Minuten zur Promenade laufen.

Soweit so gut. In die Checkbox privat kann ich einen dicken Haken setzen, doch alles, was mit dem Beruflichen zu tun hat, verhält sich doch etwas schwieriger. Ich bin nun auf das Fahrrad und den CalTrain umgestiegen und das ist nun doch etwas entspannter, als mit ungeübten Amerikanern den Freeway zu teilen. Trotzdem bin ich jeden Tag 2 1/2 Stunden unterwegs…
Die Schülerchen sind eigentlich ganz ok, nur komme ich hier mit meinem Humor nicht ganz so gut an. Während ich mir lachend auf die Schenkel haue, herrscht absolute Stille und ein Heuballen wirbelt durch den Klassenraum. Sprachlich-kulturelle Barrieren oder einfach nur schlechte Witze? Man weiß es nicht. Man findet mich hier im Allgemeinen wohl nicht so unterhaltsam. Neulich auf der Autobahn hat mich ein Mexikaner ausgebremst und als ich ihn nett anlächelte, legte er den Rückwärtsgang ein und stoppte kurz vor meiner Stoßstange. Der hatte wohl auch einen anderen Sinn für Humor, ich hab da noch viel zu lernen.

Meine theoretische Fahrprüfung habe ich in der Zwischenzeit auch abgelegt. Sechs Fehler durfte man machen, um noch zu bestehen. Als ich zum Korrekturschalter ging und dem netten Menschen über die Schulter schielte, hatte er auf der ersten Seite bereits fünf Fehler markiert. Auf der zweiten Seite war auch prompt die erste Aufgabe falsch. Die nächsten zehn Sekunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Aber man merkte gleich, dass die Alkoholfragen abgeschlossen waren, denn den Rest hatte ich richtig beantwortet. Yeah, ein Erfolgserlebnis! Und nun weiß ich auch, dass ich ein halbes Jahr in den Knast muss, wenn ich mit Alkohol am Steuer erwischt werde. Das gilt ganz allgemein, egal ob man jemanden umgenietet hat oder einfach nur einen Zebrastreifen überfahren hat. Find ich Klasse, einfache Regeln, die nicht so verkompliziert werden. Im November ist meine praktische Prüfung. Mal sehen, was ich da wieder Neues lerne!

Home sweet home!

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Bewegende Tage liegen hinter mir und es scheint eine Menge geschafft-oder auch nicht, denn zwei Stunden auf der Autobahn zu verbringen ist mal so gar nicht meins. Unser Jaguar sieht auch mal nur halb so geil aus, wenn er sich mühsam durch die Blechlawine schiebt. Macht ihn leider auch verdammt durstig! Wie bei allem muss hier noch optimiert werden. Probiere schon Schleichwege aus, aber leider legt mir meine angeborene Orientierungslosigkeit, im wahrsten Sinne des Wortes, Steine in den Weg. Ich schaffe es sogar mit Navi verloren zu gehen und das stimmt mich sehr nachdenklich. Bei einer Studie würde ich sofort mitmachen, um das psychologische Problem der Orientierungslosigkeit zu ergründen und mit ein paar Pillen zu beheben, aber um die wirklich wichtigen Sachen kümmert sich mal wieder keiner. Zum Glück gibt es meine Carpool-Freunde, die mich immer wieder aufbauen (ich weiß trotzdem, was ihr denkt). Diese drei Gleichgesinnten habe ich an meinem ersten Arbeitstag kennengelernt und für super befunden. Wir sind Samstag gleich zusammen ausgegangen und wurden um halb zwei (!) der Lokalität verwiesen. Nicht etwa, weil wir Coyote Ugly mäßig auf den Tischen getanzt oder unsere Bestellungen nur noch kniend vorgetragen haben. Nein, hier ist das so! Tanzlokale schließen um zwei Uhr nachts. Tja, Puppen tanzen lassen ist hier nicht! Aber auch besser so, da die Tage ja anstrengend genug sind.
Neben diesen herausfordernden Tagen hatten wir dennoch den Samstag für unsere Wohnungssuche verplant und, was soll ich sagen, wir waren erfolgreich. Das Foto zeigt unsere neuen vier Wände, die sich wie folgt zusammensetzen: 110 qm, drei Zimmer, voll ausgestattete Küche, Balkon, Parkplatz, Waschmaschine und Trockner in beliebter Ausgehlage. Gut, dass wir uns für den gleichen Preis auch zwei Häuser in Berlin kaufen könnten, sei mal so dahin gestellt. Dafür hab ich für mein Wäscheexperiment, das immer noch nicht ganz abgeschlossen ist, neues Equipment. Von dieser neuen Destination soll dann auch das Fahrrad zum Zug zum Einsatz kommen, um dem Stau ein Schnippchen zu schlagen und wegen der Fitness (fürs Fitnessstudio reicht ja bekanntlich das Geld nicht mehr).
Unsere Fahrräder sollten mit der Luftfracht eigentlich schön längst wieder bei uns sein, doch sie wurden quasi verhaftet. Auf dem Scanner meinte man erkannt zu haben, dass wir E-Bikes auf die Reise geschickt haben. Ich hab mich schon gefreut, dass die Räder vertauscht wurden und ich die 90 Grad Berge mit einem Lächeln auf den Lippen hochroller. Da Batterien leider im Flieger nicht erlaubt sind und diese High-End-Geräte uns niemals erreichen würden, galt es dann doch herauszufinden, was den Scanner an unseren Rädern störte. Eventuell die Zellenbatterien meines Tachos, den ich natürlich vergessen hatte abzunehmen. Diese Information zu veri- oder falsifizieren dauerte die letzten zwei Wochen, bis man sich doch entschied, den Container erneut zu öffnen. Trommelwirbel…es waren…die…Fahrradschlösser, die wie riesige Batterien aussahen. Nun dürfen die Fahrräder endlich auf die Reise gehen. Ich hoffe nur, dass nichts aus dem Container fehlt. Ich werde sofort nach den Druckerpatronen sehen, denn die sind ja bekanntlich immer am teuersten!

Sausalito

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Unser neues Auto hat von dem Vati gleich mal ein Car Spa spendiert bekommen. Mein letzter Spa Tag liegt mal so lange zurück, dass ich kaum noch weiß, wie dort der Champagner schmeckt. Damals musste ich noch umworben werden, heute ist der Ring am Finger und gut ist!
Während unser kleiner Engländer jedenfalls die Sitze massiert und die Felgen pedikürt bekam, machten wir heute einen Ausflug nach Sausalitos und das per Schiff. Unter der Wolkenschicht, die mich die ganze Zeit an Zuckerwatte (mmmh lecker!) erinnert hat, kann man es erahnen. Schön war es da, mit einem großen Yachthafen, wo die Schönen und Reichen ihre „Sunshine Girls” parken und einem super leckeren Eisladen. An Eisläden vorbei zu gehen fällt mir sowieso schon schwer, aber wenn das Cookie ‘n Cream aus ganzen (!) Oreo Keksen besteht, dann kann sich mal die Christine aus der Weight Watchers Werbung drehen und singen bis sie lang hinschlägt. Denn ich liiiiebe das Leben…
Es gibt nichts Schöneres, als aufs Wasser zu schauen, Sonnenschein im Gesicht und Eis auf den Geschmacksnerven. So könnte es bleiben. Doch gestern hab ich per Mail schon den Arbeitsplan für die zwei Wochen Eingewöhnung in der Schule bekommen. Mein lieber Scholli, gut, dass ich immer gut esse und schlafe, um genug Energie aufzubringen. Aber das wird schon, bin ja auch gespannt!
Heute war auch wieder Wäschetag und diesmal habe ich die Tuchmenge verzehnfacht! Meine neue Theorie: Eine alte Socke hat sich im Trockner häuslich eingerichtet. Mal sehen, wie sie mit 100 Riechetüchern umgeht. Dieser Kampf ist noch nicht verloren!!

I’m an Englishman in…San Francisco!

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Unsere neueste Errungenschaft! Ein Jaguar stößt zu uns und wird uns das Fortkommen außerhalb der Stadt erleichtern. Ist zwar schon ein Opi, hat mit seinem V8-Motor aber ordentlich was Unter der Haube. Damit kommt die Frau Lehrerin dann auf den Schulhof geschossen und verzieht keine Miene, wenn sie ihre Sonnenbrille a la Horatio ruckartig absetzt. Der erste Eindruck muss halt stimmen, wegen Autorität und so.
Der Deal hat sich irgendwie verboten angefühlt. Das lag besonders daran, dass man nur 500$ am Geldautomaten abheben kann. Bis wir das allerdings gemerkt haben, wir haben uns in hunderten Schritten herangepirscht, ging der Puls doch deutlich schneller. Gut, dass wir mehrere Karten besitzen und den Geldautomaten austricksen konnten. Nach dieser ersten Hürde stellt man sich in einer amerikanischen Großstadt schon die Frage, wer einen am vereinbarten Treffpunkt erwarten wird. Ich bin da immer ganz schnell bei Massenmörder, der auf diese einfache Art und Weise seine Opfer findet. Ich haderte noch mit dem Gedanken, ob wir besser ein Codewort vereinbart hätten, bei dem wir beide in verschiedene Richtungen laufen, als ein nett aussehender Spieleentwickler mit Hornbrille und Fitnessarmband vor uns stand. Alles gut, aber häufiger muss ich nicht unbedingt ein Auto kaufen, bei all dem emotionalen Stress, wenn auch selbst gemacht!
So, ich übe jetzt noch ein wenig meine Bösewichtausstrahlung vor dem Spiegel, um morgen standesgemäß mit unserer 007 Limousine vorzufahren!